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Paul Friedhoff

Plenarrede am 7. Mai 2009

Eigenkapitalbildung fördern - Deutschlands Mittelstand fit machen

Aber lassen Sie mich zum grundlegenden Problem kommen, der zu geringen Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstandes. Die Banken sind derzeit nicht willens oder in der Lage, die Kreditnachfrage zu befriedigen. Das ist für kleine und mittlere Unternehmen besonders schlimm, da gerade diese kaum einen Zugang zum Kapitalmarkt haben und daher auf die klassischen Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen sind. Eine ausreichende Finanzierung ist aber für Innovationen und Investitionen ebenso wichtig wie für die Standortsicherung und den Erhalt der Arbeitsplätze.

In der jetzigen Lage sind die Banken aufgefordert, ihrer Verantwortung und ihrer Funktion als gewerblicher Finanzierungshelfer nachzukommen. Zwar haben sie gesteigerte Anforderungen an ein die Kreditrisiken absicherndes Eigenkapital zu beachten, und dies ist auch sinnvoll, da die Finanzkrise gerade durch unterbesicherte Kreditausreichungen verstärkt wurde. Doch dürfen die Banken jetzt nicht über das Ziel hinausschießen und gesunde Unternehmen durch zu restriktive Kreditvergabe in Bedrängnis bringen. Das Problem ist häufig nicht der grundsätzliche Zugang zu Krediten, meist jedoch sind es die Konditionen.

Eine allgemeine Kreditklemme ist derzeit nicht feststellbar, dies ist immerhin beruhigend. Wegen der traditionell starken Abhängigkeit von Bankkrediten aber ist der Mittelstand von einem Anstieg der Kreditkosten besonders stark betroffen. Daher kann die Kreditvergabepraxis der Banken in vielen Fällen für die Investitionsschwäche der Unternehmen verantwortlich gemacht werden.

Der Staat sollte alles unterlassen, was die Unternehmensfinanzierung erschwert. Privates Wagniskapital darf nicht gegenüber anderen Finanzierungsformen diskriminiert werden. Auf der Seite der Unternehmen muss der Staat dabei vor allem zur Aufklärung beitragen, denn vielfach ist die zu geringe Eigenkapitalausstattung auf mangelnde Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung zurückzuführen. So ist oftmals eine Angst vor Eigenkapital von Beteiligungsgebern festzustellen. Gerade Existenzgründer oder aber neue Unternehmen mit hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sollten vor Beteiligungskapitalgebern nicht zurückschrecken. Wenn die Politik diese Geldgeber jedoch pauschal als Heuschrecken beschimpft ist dies nicht hilfreich. Stattdessen muss der Staat den Gründern alle sich dadurch bietenden Möglichkeiten aufzeigen und diese Finanzierungsform erleichtern. Dafür kommen steuerliche Förderungen in Betracht.

Wenn wir in unserem Antrag 2006 gefordert haben, die mittelständischen Unternehmen auf der Kapitalseite fit zu machen, so war das bereits zu jenem Zeitpunkt richtig. Derzeit ist es geradezu zwingend. Wer sich vor Augen führt, dass der Mittelstand hierzulande 40 Prozent aller Unternehmensumsätze erwirtschaftet und über 70 Prozent aller Arbeitsplätze stellt, der kann unser Anliegen nur unterstützen.


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